Autor: Fluchtachterl
Nein ich spreche ihn nicht mehr aus, den Namen, schon gar nicht schreibe ich ihn auf Papier. Sie haben daraus einen Fluch gemacht, der auf uns nun lasten soll, auf ihr Geheiß. Den Namen einer Frau, die auf dem Rücken eines sich in einen Stier verwandelt habenden Gottes ritt und diesen Gott schließlich liebte, trug dieser Erdteil, in dessen Mitte mein Land liegt. Trug, nicht trägt. Ein Fluch darf nicht mehr Name sein, denn wird er ausgesprochen, zeigt der Fluch unversehens seine Wirkung. Diese Weltgegend hatte einen Namen. Hatte, nicht hat.
So lasse ich den Erdteil namenlos, um nicht jedesmal einen unseligen Fluch über ihn und vor allem über mein Land auszustoßen.
Aus einem Nichts Emporgekommene waren aufgebrochen, um einen Wahn zu verwirklichen. Babylon hatten sie in einem Fiebertraum geglaubt gesehen zu haben und wollten ihn errichten ihren Wahn von Babylon. Dieser in Abständen an Wahnsinn leidende Erdteil hat wieder einmal einen seiner Anfälle, angeordnet von wenigen. Die Schaffung des „besseren Menschen“, der „vollkommenen Gesellschaft“ mit hohem Blutzoll, der doch nur Zerstörung hinterließ, in der Vergangenheit. Und nun soll ein Babylon entstehen unter verordneter Selbstzerstörung. Was den Vorgängern nicht gelungen ist, soll nun endlich vollzogen werden. Von diesen Nomenklaturen der Emporkömmlinge aus dem Nichts. Ein Machwerk wird über die Länder dieses Erdteils gestülpt, ein perfides, hinterlisitges. Man plant nicht selbst abzuschlachten, sondern verhökert das zu zerstörende Gut an die runden, spitzen, schlanken Türme, die derlei nur allzu gern erledigen würden. Nur daß Verwüstetes, Zerstörtes nichts mehr hergeben wird. Daran wird nicht gedacht. Es soll nur der erbärmlichste Tod eines Erdteils vollzogen werden, den die Geschichte je gesehen hat. Im Kollektiv, stand in einer der Postillen zu lesen. Im Kollektiv gegen die Neue Welt, die das dem Wahnträumern nach zu zerstörende Gut schon einmal gerettet hat.
Ach, das Kollektiv, wie sehr sie es doch gerne in den Mund nehmen. Immer gemeinsamer in die Auslöschung. Schlußendlich wäre, so ihr Fluch, Okzident nur mehr der Rumpf der Neuen Welt und damit beinahe zerstört. Auf daß er werde, der Okzident zu Babylon, zu ihrem Babylon als blutgetränkter Wüstenboden aus dem noch ein paar Ruinen ragen.
An den Wurzeln der Völker und ihrer Länder muß ausgerissen werden das Gewachsene, das Eigene, das lieb gewordene Spiegelbild damit entstehe ihr Babylon auf umgewühltem, vergiftetem Boden.
Welch einen Fiebertraum hatten sie? Den von der krätzigen Gossendirne, zu der der Fluch jener aus dem Nichts emporgekommen Horde diese Weltgegend gemacht hat?
„Wir sind…“ Der Fluch. Jeder solle ihn doch ausstoßen diesen zum Fluch gewordenen Namen. Im Kollektiv. „Nehmt ihnen die Kreuze, ihre Länder, ihre Sprachen, ihre Sitten, ihre Gesichter“, kreischen die Wahnfiebernden.
Und sie, die vom Wahnfieber geplagten, treiben sie vor sich her, die Länder, die Völker, die Menschen, vergiften sie nach und nach mit ihrem Machwerk, treiben sie zu den Schlächtern. Der Fluch, lauthals hinausgebrüllt, wer nicht mitbrüllt, wird zum Brüllen gebracht oder… . Nichts scheint sie aufhalten zu können, die vom Wahn Besessenen. Nichts scheint möglich ihren Fluch zu bannen. So denn zur Schlachtbank, wo bereits die Langbärte krumme Säbel wetzen und schleifen.
Nein, ich werde den zum Fluch gewordenen Namen nicht aussprechen, geschweige denn auf Papier schreiben. Die Namen der Länder, die der anderen Erdteile, aber nicht diesen. Ich möchte nicht Mitschuld tragen am Fluch. So hoffe ich, daß der Fluch gebannt wird, auch wenn diese Hoffnung nur sachte flackert und auszugehen droht. Ich warte, sehe zu und hoffe, daß ihr Fieberwahn Babylon stirbt. Babylon muß sterben!