Dunkelheit

Autor: Fluchtachterl

Nimmt man uns das Licht, sieht unser Auge für einen längeren Moment nichts denn schwarz. Schwer gewöhnt sich unser Gesichtssinn an die Dunkelheit. Schier hilflos tapsen wir umher, sind kaum in der Lage Gegenstände zu erkennen, stoßen uns an Wänden, Türstöcken, Sesseln und Bänken.

Man hat uns das Licht genommen und nun läßt man uns im Dunkeln sitzen. Schlimmes geschehe oftmals in der Nacht, im Dunklen, heißt es. So schwant uns nichts Gutes.

„Seht zu, wie ihr damit fertig werdet”, höhnen sie, die Marionettenspieler, an deren Fäden wir hängen. Bang drehen wir uns im Kreis um uns selbst, unsere Hände ausgestreckt haltend nach etwas Festem, oder eine andere Hand, die uns führt. Doch nichts als das Dunkel, das uns umgibt. Dabei bräuchten wir nur inne zu halten, um ein schwach beleuchtetes Tor als Ausgang zu finden, die Fäden zu durchschneiden und die Dunkelheit zu verlassen.

Augustinerkirche, WienIn der Augustinerkirche, Fluchtachterl Jänner 2010

Gespräche

Autor: Fluchtachterl

Beschwerde

A: „Der Meerblick ist ja eine Phototapete an der Wand!”
B: „Es  ist aber immerhin ein Meerblick”
A: „Ich hatte aber wirklichen Meerblick bestellt!”
B: „Die Aufnahme auf der Phototapete ist eine von einem wirklichen Meerblick.”
A: „Mein Fenster geht ja auf einen abscheulichen Hinterhof.”
B: „Das ist eine Fischkonservenfabrik.”
A: „Wo ist eigentlich der Strand?”
B: „Ungefähr zehn Gehminuten von hier. Man muß nur die Hauptstraße entlanggehen.
A: „Ich habe aber ein Zimmer mit Meerblick in einem Hotel am Strand bezahlt.”
B: „Das Hotel am Strand wurde aber gesperrt!”
A: „Bringen Sie mir sofort den Strand hierher, sonst verklage ich Sie!”
B: „Ich kann nichts für Sie tun, ich bin hier nur angestellt!”
A: „Ich sagte, bringen Sie mir sofort den Strand hierher, ich habe bezahlt und darf das verlangen!”
B: „Ich kann Ihnen den Strand aber nicht herbringen!”
A: „- Ich kann nicht – und – das geht nicht – akzeptiere ich nicht.”
B: „Es geht aber wirklich nicht, Ihnen den Strand hierherzubringen!”
A: „Ich werde Sie alle verklagen! Morgen sind Sie entlassen, dafür werde ich sorgen!”
B: „Wenn Sie meinen …”
A: „Ich werde sofort meinen Anwalt anrufen!”

Licht

G: „Das Licht ist ausgegangen!”
H: „Die Stromgesellschaft ist gestern in Konkurs gegangen.”
G: „Und deshalb haben wir kein Licht mehr?”
H: „Ja, deshalb haben wir kein Licht mehr.”
G: „Haben wir noch Kerzen?”
H: „Ja, ein paar Reste noch vom Fest letzten Monat.”
G: „Nur die Reste?”
H: „Ich fürchte, es ist so.”
G: „Wieso hast Du keine Kerzen gekauft?”
H: „Ich habe es vergessen!”
G: „Ja und was machen wir jetzt, ohne Licht?”
H: „Ich weiß es nicht.”
G: “Fahren wir aufs Land und versuchen ein paar Glühwürmchen einzufangen.”
H: „Die lassen sich nicht fangen, fürchte ich.”
G: „Wir könnten es wenigstens versuchen.”
H: „Ja, das könnten wir.”
G: „Aber die Straßen sind auch ohne Licht.”
H: „Ja, auch die Straßen sind ohne Licht.”
G: „Also können wir auch nicht aufs Land fahren, um Glühwürmchen zu fangen.”
H: „Stimmt.”
G: „Morgen können wir Kerzen kaufen.”
H: „Wir gehen morgen Kerzen kaufen.”
G: „Wenn es noch welche zu kaufen gibt.”
H: „Wenn es noch welche gibt.”
H: „Es wird schon noch welche geben.”
G: „Ich hoffe es jedenfalls.”
H: „Aber sicher!”
G: „Gute Nacht!”
H: „Gute Nacht!”

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