Autor: Fluchtachterl
Was einem nicht alles gleichgültig wird, legt sich die Glut der Sommersonne über die Stadt. Der Sommer vertreibt für einige Zeit vieles, das einem Angst bereitet, das Gemüt eintrübt und die Seele zermürbt.
Die Herrscher lügen, so lasse man sie doch lügen, denkt man sich. Sie haben zuvor gelogen und werden dies auch weiter tun. Um einen herum tobt nach wie vor der Wahnsinn ihrer Herrschaft und man meint, so solle er doch toben dieser Wahnsinn, er hat zuvor getobt und wird auch fernerhin toben. Sie würden im Geheimen Ungeheuerliches aushecken, sickert ab und an durch, sollen sie doch, winkt man ab, es ist zu heiß sich darüber Gedanken zu machen. Man weiß ohnehin, daß sie noch genug Unheil anrichten werden. Derzeit verhindern Sonne und Hitze sich darob allzu große Gedanken zu machen.
Anderes scheinen die Herrscher nicht im Sinne zu haben, als ihre jeweiligen Länder ins Verderben zu treiben. Sie sind offenbar zu gar nichts anderem imstande oder tun es in hämischer Absicht.
Man schwitzt diese Gewißheit heraus, Tropfen für Tropfen. Das sich abzeichnende Unheil verflimmert in einer Art Fatamorgana. Vorhänge werden zugezogen, um die Hitze aus den Heimstätten ein wenig fernzuhalten. Eissalons, Schwimmbäder, durch Klimaanlagen gekühlte Geschäfte lenken ab von der Hitze, in der die bösen Vorahnungen bereits verdampft sind.
Die Sommerabende verlocken zu Vergnügungen im Freien, in den Straßencafés, in den Fußgängerzonen, oder man ist gar auf Urlaub oder Sommerfrische. Eine bittere Unbeschwertheit in der Gewißheit, daß es bald vorbei sein wird mit dem derzeit noch lebenswerten Dasein.
Es wird wieder abkühlen. Wir werden einen kühlen Kopf brauchen können.
