Hitzelethargie

Autor: Fluchtachterl

Was einem nicht alles gleichgültig wird, legt sich die Glut der Sommersonne über die Stadt. Der Sommer vertreibt für einige Zeit vieles, das einem Angst bereitet, das Gemüt eintrübt und die Seele zermürbt.

Die Herrscher lügen, so lasse man sie doch lügen, denkt man sich. Sie haben zuvor gelogen und werden dies auch weiter tun. Um einen herum tobt nach wie vor der Wahnsinn ihrer Herrschaft und man meint, so solle er doch toben dieser Wahnsinn, er hat zuvor getobt und wird auch fernerhin toben. Sie würden im Geheimen Ungeheuerliches aushecken, sickert ab und an durch, sollen sie doch, winkt man ab, es ist zu heiß sich darüber Gedanken zu machen. Man weiß ohnehin, daß sie noch genug Unheil anrichten werden. Derzeit verhindern Sonne und Hitze sich darob allzu große Gedanken zu machen.

Anderes scheinen die Herrscher nicht im Sinne zu haben, als ihre jeweiligen Länder ins Verderben zu treiben. Sie sind offenbar zu gar nichts anderem imstande oder tun es in hämischer Absicht.

Man schwitzt diese Gewißheit heraus, Tropfen für Tropfen. Das sich abzeichnende Unheil verflimmert in einer Art Fatamorgana. Vorhänge werden zugezogen, um die Hitze aus den Heimstätten ein wenig fernzuhalten. Eissalons, Schwimmbäder, durch Klimaanlagen gekühlte Geschäfte lenken ab von der Hitze, in der die bösen Vorahnungen bereits verdampft sind.

Die Sommerabende verlocken zu Vergnügungen im Freien, in den Straßencafés, in den Fußgängerzonen, oder man ist gar auf Urlaub oder Sommerfrische. Eine bittere Unbeschwertheit in der Gewißheit, daß es bald vorbei sein wird mit dem derzeit noch lebenswerten Dasein.

Es wird wieder abkühlen. Wir werden einen kühlen Kopf brauchen können.

Nur Abscheu

Autor: Fluchtachterl

Was wenn aus Zorn Verachtung wird und einem schlußendlich selbst die Sprache sich verweigert? Ach, die Herrschenden und deren Lakaien. Meine Ohnmacht, die sich in Zorn wandelte, aus dem Verachtung wurde und danach die Sprache nichts mehr zur Verfügung hatte, um die Empfindungen noch in Bergriffe zu kleiden.

Jetzt da ihr Fieberwahn, ihr Irrsinn, den sie über uns – die Untertanen – stülpten den gesamten Erdteil in einen Abgrund nie gekannten Ausmaßes zu stürzen droht, werden die Lügen dreister, die kalte Unverfrorenheit gewaltsamer, mit der sie lächelnd auf unser aller Rücken trampeln, unverschämter ihre Heuchelei. Frei seien wir angeblich, hätten Rechte, freie Entscheidungen, verkünden sie, wobei wir zusehen wie uns unsichtbare Ketten um Arme, Beine, Brust und Mund gewickelt werden, eng immer enger, so daß wir gerade noch röcheln können. Denn bei jedem tieferen Atemzug bohren sich die Kettenglieder schmerzhaft in unser Fleisch. Unsere angebliche Freiheit grinst bloß höhnisch wie derbes Gespött. Und diese von ihnen verkündeten Werte predigten sie einst in aller Herren Länder, auch in einem Land, wo Erschießungskommandos und Lager die Menschen ängstigen und verstummen lassen. An einem Platz, den man nach dem Himmlischen Frieden benannt hatte.

Werte, die sie auf ihre spitzfindige Art auch hier nicht einhalten. Jahr für Jahr verschwindet ein Stück von Freiheit, von Recht, von Selbstbestimmung, von Teilnahme an Entscheidungen, von Identität. Nun ist fast nichts mehr davon übrig. Und dort, wo man einen Platz nach dem Himmlischen Frieden benannt hat, kriechen unsere Herrscher nun im Staub und bitten um Geld, das ihre in Fieberwahn und Wahnsinn geschmiedeten Pläne bezahlen soll. Die einstmals erhobenen Zeigefinger sind dem Bücken und Kriechen gewichen. Ein Danaergeschenk wird ihnen lächelnd hingeworfen von jenen fremden Mächtigen.

Geisteskranke, die ihrem Irrsinn dermaßen verfallen sind und dabei nicht merken, daß bereits alles Silber verkauft ist, ihr Werk Jahre hindurch eines der Zerstörung der eigenen Länder und Völker war. Oder taten sie es aus Absicht in Nüchternheit? Dies wäre ein Akt von so unglaublicher Schlechtigkeit, daß auch dafür die Sprache kein Zeichen mehr bereit hält. Eine dermaßen heimtückische Niedertracht, ein so unglaublich hinterhältiger Verrat wäre einzigartig.

Die gewaltsame Durchsetzung von Wahnsinn ist das Markenzeichen grausamer Tyranneien. Doch diese tragen ihre Vorstellungen wie ein Schild stolz vor sich her. Selbst wenn man vor ihnen zittert und stumm bleibt um des eigenen Lebens willen, kann man dennoch die Fratze dieser Herrschaft erkennen.

Sind unsere Herrscher nun fiebernde Wahnsinnige, Süchtige von ihren eigenen Hirngespinsten, die ob ihrer Sucht lügen, sich verstellen, uns benutzen, knechten, auspressen, sich in fremden mit Geld gesegneten Ländern erniedrigen, nur um ja ihre „Substanz“ zu bekommen? Oder sind sie das Heimtückischste an Verrat, Bösartigkeit und Niedertracht, wie es die Geschichte in dieser Form noch nie hervorgebracht hat?

Nun, da die Ohnmacht allzu bewußt geworden, sich der Zorn als zu zermürbend erwiesen, die Verachtung nicht ausreichend war, ekelt es mich nur noch vor den Herrschern. Höre ich die Stimmen unserer Herrscher, sehe ich ihre Fratzen bleibt mir bloß eines: Eine nicht in Worte zu fassende Abscheu!

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