Nur Abscheu

Autor: Fluchtachterl

Was wenn aus Zorn Verachtung wird und einem schlußendlich selbst die Sprache sich verweigert? Ach, die Herrschenden und deren Lakaien. Meine Ohnmacht, die sich in Zorn wandelte, aus dem Verachtung wurde und danach die Sprache nichts mehr zur Verfügung hatte, um die Empfindungen noch in Bergriffe zu kleiden.

Jetzt da ihr Fieberwahn, ihr Irrsinn, den sie über uns – die Untertanen – stülpten den gesamten Erdteil in einen Abgrund nie gekannten Ausmaßes zu stürzen droht, werden die Lügen dreister, die kalte Unverfrorenheit gewaltsamer, mit der sie lächelnd auf unser aller Rücken trampeln, unverschämter ihre Heuchelei. Frei seien wir angeblich, hätten Rechte, freie Entscheidungen, verkünden sie, wobei wir zusehen wie uns unsichtbare Ketten um Arme, Beine, Brust und Mund gewickelt werden, eng immer enger, so daß wir gerade noch röcheln können. Denn bei jedem tieferen Atemzug bohren sich die Kettenglieder schmerzhaft in unser Fleisch. Unsere angebliche Freiheit grinst bloß höhnisch wie derbes Gespött. Und diese von ihnen verkündeten Werte predigten sie einst in aller Herren Länder, auch in einem Land, wo Erschießungskommandos und Lager die Menschen ängstigen und verstummen lassen. An einem Platz, den man nach dem Himmlischen Frieden benannt hatte.

Werte, die sie auf ihre spitzfindige Art auch hier nicht einhalten. Jahr für Jahr verschwindet ein Stück von Freiheit, von Recht, von Selbstbestimmung, von Teilnahme an Entscheidungen, von Identität. Nun ist fast nichts mehr davon übrig. Und dort, wo man einen Platz nach dem Himmlischen Frieden benannt hat, kriechen unsere Herrscher nun im Staub und bitten um Geld, das ihre in Fieberwahn und Wahnsinn geschmiedeten Pläne bezahlen soll. Die einstmals erhobenen Zeigefinger sind dem Bücken und Kriechen gewichen. Ein Danaergeschenk wird ihnen lächelnd hingeworfen von jenen fremden Mächtigen.

Geisteskranke, die ihrem Irrsinn dermaßen verfallen sind und dabei nicht merken, daß bereits alles Silber verkauft ist, ihr Werk Jahre hindurch eines der Zerstörung der eigenen Länder und Völker war. Oder taten sie es aus Absicht in Nüchternheit? Dies wäre ein Akt von so unglaublicher Schlechtigkeit, daß auch dafür die Sprache kein Zeichen mehr bereit hält. Eine dermaßen heimtückische Niedertracht, ein so unglaublich hinterhältiger Verrat wäre einzigartig.

Die gewaltsame Durchsetzung von Wahnsinn ist das Markenzeichen grausamer Tyranneien. Doch diese tragen ihre Vorstellungen wie ein Schild stolz vor sich her. Selbst wenn man vor ihnen zittert und stumm bleibt um des eigenen Lebens willen, kann man dennoch die Fratze dieser Herrschaft erkennen.

Sind unsere Herrscher nun fiebernde Wahnsinnige, Süchtige von ihren eigenen Hirngespinsten, die ob ihrer Sucht lügen, sich verstellen, uns benutzen, knechten, auspressen, sich in fremden mit Geld gesegneten Ländern erniedrigen, nur um ja ihre „Substanz“ zu bekommen? Oder sind sie das Heimtückischste an Verrat, Bösartigkeit und Niedertracht, wie es die Geschichte in dieser Form noch nie hervorgebracht hat?

Nun, da die Ohnmacht allzu bewußt geworden, sich der Zorn als zu zermürbend erwiesen, die Verachtung nicht ausreichend war, ekelt es mich nur noch vor den Herrschern. Höre ich die Stimmen unserer Herrscher, sehe ich ihre Fratzen bleibt mir bloß eines: Eine nicht in Worte zu fassende Abscheu!

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