Autor: Fluchtachterl
Steht ein Sturm bevor, fühlt man dessen Herannahen. Nicht, daß diese Vorahnung ins Bewußtsein vordringen würde. Sie versteckt sich, erzielt höchstens ein sachtes Schaudern während eines kurzen Augenblicks des Innehaltens.
Das Menetekel kündigt sich fast unscheinbar an. Ein Windstoß, der Sessel, Schirme oder anderes Unbefestigtes umwirft. Ein kurzes Verdunkeln des Sonnenlichts, das sogleich wieder aufhellt. So lange, bis sich die Vorzeichen verdichten, sich wiederholen bis man sich an sie gewöhnt hat. Wenn jemand ruft: „Es wird ein Sturm kommen, wir sollten Barrikaden errichten und Befestigungen!” verlachen und beschimpfen wir Betreffenden. Dies, um den Schauder einer Vorahnung zu verscheuchen.
Erst wenn die Böen heftig werden, der Himmel sich dunkel bedrohlich aufbäumt und das Licht erlischt wird es ernst. Der Sturm beginnt zu toben. Erst in diesem Augenblick vergraben wir entsetzt unsere Gesichter in den Händen, oder blicken angstvoll gen Himmel, fühlen unser Herz rasen. Er fegt hinweg über das Land, der Sturm, zerstört, zerwirbelt, wirft uns aus der Bahn. Wir verlieren den Boden unter den Füßen, wissen nicht wie uns geschieht.
Der Sturm ebbt ab, löst sich auf und wir betrachten entsetzt sein Werk der Zerstörung. „Ach hätten wir nur…” jammern wir in Verzweiflung. Wiewohl, wir hätten auf den kurzen inneren Schauder hören können. Es wird nach längerer Zeit sich abermals ein Sturm ankündigen, wir werden unsere Vorahnungen ungehört lassen, die Warner verhöhnen. Dabei bräuchten wir nur auf diese unheimliche Ruhe vor dem Sturm zu achten.



